JXS Blog

Corona zeigt: Digitale Sichtbarkeit ist Pflicht

Was die vergangenen Monate schonungslos offengelegt haben und welche Schritte sich jetzt für jedes Unternehmen lohnen.

Als im März die Läden schließen mussten, passierte etwas Bemerkenswertes: Die Kunden verschwanden nicht, sie verlagerten sich. Wer etwas brauchte, suchte online, prüfte Öffnungszeiten bei Google, bestellte, wo bestellt werden konnte, und rief an, wo eine Nummer zu finden war. Und genau in diesem Moment zeigte sich gnadenlos, welche Unternehmen ihre digitalen Hausaufgaben gemacht hatten und welche nicht. Ein halbes Jahr später lässt sich Bilanz ziehen, und sie fällt eindeutig aus: Digitale Sichtbarkeit ist keine Kür mehr, sie ist Pflicht, für jedes Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe.

Die kleinen Katastrophen der vergangenen Monate

Die Beispiele aus dem Frühjahr kennt inzwischen jeder aus dem eigenen Alltag. Das Restaurant, das auf Abholung umgestellt hatte, dessen Google-Eintrag aber weiter geschlossen anzeigte, die Kunden fuhren zur Konkurrenz. Der Einzelhändler, der telefonisch lieferte, dessen Website aber seit 2014 nicht angefasst worden war und auf dem Smartphone zerfiel. Der Handwerksbetrieb, der weiterarbeiten durfte, den aber niemand fand, weil er schlicht keine Website hatte und in keinem Verzeichnis stand. Nichts davon war böser Wille, es war aufgeschobene Arbeit, und Corona hat die Rechnung präsentiert. Warum das wichtig bleibt, auch wenn die Läden wieder offen sind: Das veränderte Suchverhalten bleibt. Wer einmal gelernt hat, vor dem Losfahren online zu prüfen, verlernt das nicht wieder.

Das Fundament: der Google-Eintrag, den viele vergessen

Der schnellste Hebel kostet nichts: der eigene Unternehmenseintrag bei Google, sichtbar in der Suche und auf der Karte. In den vergangenen Monaten haben wir dutzende dieser Einträge korrigiert, falsche Öffnungszeiten, fehlende Telefonnummern, keine Hinweise auf Abholung oder Lieferung. Dabei ist genau dieser Eintrag für viele Kunden der erste und oft einzige Kontaktpunkt. Wer ihn beansprucht, vollständig pflegt und aktuelle Informationen einträgt, gewinnt sofort, gerade in Zeiten, in denen sich Bedingungen wöchentlich ändern können. Es gibt derzeit keine Marketingmaßnahme mit besserem Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Die Website: vom Aushängeschild zum Arbeitsinstrument

Die zweite Lektion betrifft die Website selbst. Jahrelang war sie für viele Unternehmen eine digitale Visitenkarte, nett anzusehen, selten entscheidend. Dieses Jahr wurde sie für viele zum wichtigsten Vertriebskanal, und da zeigten sich die Schwächen: Seiten, die auf dem Smartphone unbenutzbar sind, obwohl längst mehr als die Hälfte der Zugriffe mobil erfolgt. Kontaktmöglichkeiten, die sich hinter Unterseiten verstecken. Informationen, die niemand ohne Anruf bekommt. Eine zeitgemäße Website beantwortet die drei Fragen jedes Besuchers in Sekunden: Was bietet dieses Unternehmen, ist es gerade erreichbar, und wie komme ich in Kontakt? Wer das leistet, verwandelt Suchende in Kunden, auch nachts, auch sonntags, auch im nächsten Lockdown.

Video, Beratung, Abschluss: Es geht mehr digital, als viele dachten

Eine dritte Erfahrung hat uns selbst überrascht: wie viel Geschäft sich digital abwickeln lässt, wenn es sein muss. Beratungsgespräche per Videokonferenz, die vor einem Jahr noch undenkbar schienen, sind Alltag geworden, bei uns und bei unseren Kunden. Aufträge, für die früher drei Vor-Ort-Termine nötig waren, kommen heute nach zwei Videocalls zustande, schneller und für beide Seiten bequemer. Diese Erfahrung wird bleiben, und sie senkt die Schwelle für überregionale Zusammenarbeit dauerhaft. Für Unternehmen bedeutet das Chance und Risiko zugleich: Der eigene Markt wird größer, aber der der Wettbewerber eben auch.

Der unbequeme Blick auf die Werbebudgets

Eine Beobachtung aus den vergangenen Monaten verdient noch Erwähnung, weil sie gegen den Reflex läuft. Viele Unternehmen haben im Frühjahr als Erstes ihre Werbung gestoppt, verständlich, wenn die Zukunft unklar ist. Die Folge war allerdings ein seltener Zustand: Weil weniger Anbieter um Anzeigenplätze konkurrierten, sanken vielerorts die Klickpreise, während die Suchanfragen in vielen Branchen stabil blieben oder sogar stiegen. Wer in dieser Phase sichtbar geblieben ist, hat Kunden zu Konditionen gewonnen, die es in normalen Zeiten schlicht nicht gibt. Das soll kein Aufruf sein, in der Corona-Unsicherheit blind Geld auszugeben. Aber es zeigt ein Muster, das über diese Krise hinaus gilt: Wenn alle gleichzeitig verschwinden, ist Sichtbarkeit am günstigsten, und wer antizyklisch denkt, kauft Marktanteile zum Sonderpreis.

Was jetzt zu tun ist, in dieser Reihenfolge

Wer die vergangenen Monate als Weckruf versteht, geht die Dinge am besten der Reihe nach an. Erstens den Google-Eintrag beanspruchen und vollständig pflegen, das ist an einem Nachmittag erledigt. Zweitens die eigene Website ehrlich auf dem Smartphone testen: Lädt sie schnell, versteht man sofort, worum es geht, findet man Telefonnummer und Kontakt ohne Suchen? Wenn nicht, gehört das Thema auf die Liste, noch dieses Jahr. Drittens die Erreichbarkeit sichern: Eine E-Mail-Adresse, die täglich gelesen wird, und ein Rückruf innerhalb eines Tages entscheiden über Aufträge. Und viertens prüfen, welche Teile des eigenen Angebots sich digital abbilden lassen, von der Terminbuchung bis zur Videoberatung. Keiner dieser Schritte braucht ein Großprojekt, die meisten kosten mehr Aufmerksamkeit als Geld, und genau darin liegt die Chance für kleinere Unternehmen gegenüber trägen Großen. Niemand weiß, was die kommenden Monate bringen. Aber wer digital sichtbar und erreichbar ist, wird gefunden, egal was kommt, und genau das ist im Moment die beste und zugleich günstigste Versicherung, die sich ein Unternehmen in diesem Jahr überhaupt leisten kann.

Oliver Misch, Autor dieses Beitrags und Geschäftsführer der medienplus GmbH

Über den Autor: Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH

Oliver führt die Agentur hinter JXS seit der Gründung 2009 und hat in dieser Zeit über 250 Unternehmen bei Websites, Marken und Kampagnen begleitet. Er schreibt hier über das, was in Projekten wirklich funktioniert. Fragen zum Beitrag? Einfach melden oder mehr über Oliver erfahren.

Ihr Projekt

Eine Idee im Kopf?
Machen wir etwas daraus.

Ob neue Website, Markenauftritt oder digitale Kampagne: Erzählen Sie uns kurz, was Sie vorhaben. Wir melden uns persönlich und sprechen über die nächsten Schritte.

Projekt anfragen

Oder direkt: hallo@jxs.de